Neubau Primarschule | Mülligen

Neubau | Realisation 2013-2015 | In Zusammenarbeit mit Christian Bühlmann Architekt, Zürich 

Sorgfalt, Klarheit und Rhythmus

Die Bauaufgabe war übersichtlich und unprätentiös: Ein Primarschulhaus für eine kleine Gemeinde. Vier Klassenzimmer mit Gruppenräumen sollten erstellt werden, mit Anbindung an das bestehende Schulhaus aus den 1960er-Jahren. Der Neubau ergänzt die öffentlichen Bauten zu einem Ensemble. Die Primarschule fasst einen Hof und trennt ihn mit seiner Länge vom Sportrasen ab. Ein überdachter Zugang verbindet die alte mit der neuen Schule, der als Fischgrat verlegte Klinker auf seinem Boden – derselbe wie in den Fassaden des Neubaus – stellt den Kontakt zwischen den beiden Häusern her. Zwei markante Laternen kennzeichnen die Verbindung.

Um den Massstab zum Platz hin zu wahren, ist der Garderobentrakt tiefer ausgeführt als die knapp vier Meter hohen Klassenzimmer, die auf den Rasen orientiert sind. Im Höhenversatz zwischen den beiden Gebäudeteilen bringen Fenster Licht in die Unterrichts- und Gruppenräume.

Die Ordnung des Hauses bildet sich im Grundriss ab. Sie erklingt in einem Dreivierteltakt: drei Eingänge und Gruppenräume liegen zwischen den vier Garderoben und Klassenzimmern. Dieses Spiel zwischen den Teilungen prägt das Haus, die Atmosphäre ändert sich entlang des Korridors: von hell zu dunkel, von eng zu weit wechseln die Räume wiederkehrend ihren Charakter, bis am Ende des Ganges ein Fenster den Blick in die Umgebung freigibt.

Von aussen wird diese Teilung aufgehoben. Die ruhigen Fassaden fassen diesen Rhythmus zu einer Einheit, die klare Gliederung in geschlossene und offene Flächen gibt dem Haus Würde und verleiht ihm Ruhe. Auch im Inneren wird die Teilung überwunden: Entlang der Fassade zum Sportplatz verbindet eine Enfilade die Klassen- und Gruppenräume.

Die Ausführung bleibt schlicht und ist einer hohen handwerklichen Qualität verpflichtet. Die Fassaden aus Klinker werden abgeschlossen von einer Abdeckung aus vorgefertigten Betonelementen. Die Böden in Korridor und Gruppenräumen sind mit Rheinquarzit bedeckt, in den Klassenzimmern mit Eichenriemen. Die Wände aus Sichtbeton sind bis zu den Türstürzen schalungsglatt ausgeführt, darüber zieren sie Einalgen aus stehenden Latten. Die Klassenzimmer werden von Holzbalkendecken überspannt, die gleichzeitig für eine gute Akustik sorgen.

Die Leuchten aus gedrücktem Messing sind Einzelanfertigungen, ebenso die geschmiedeten Handgriffe der Eingangstüren. Auf die von Hand gefertigten Stäbe sind Messingscheiben aufgefädelt, die Schränke in den Klassenzimmern wurden vom Schreiner auf Mass eingebaut.

Das kleine Schulhaus sucht nicht die grosse Geste – es stellt zurückhaltend und bescheiden die Qualität seiner Machart in den Vordergrund.

Text: Marko Sauer

Projektblatt